Banken und Sparkassen können nur dann existieren, wenn Sie Geld gegen Zinsen verleihen, das sie als Spareinlagen und andere Kapitalanlagen hereinbekommen. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen scheint die Durchführung eines Tricks, bei dem der Durchführende desselben legal auch größere Beiträge zinslos und sogar ohne entsprechende Sicherheiten erhält, unmöglich. Dessen ungeachtet, soll der Plan, der sich auf ein bestehendes Währungsgefälle innerhalb einiger Staaten gründet, bereits des öfteren angewendet worden sein und ist sogar wiederholbar. Sein technischer Ablauf ist folgender:

Nehmen wir an, Sie wollen sich € 125.000,- als Kredit beschaffen. Diesen nicht unerheblichen Betrag würden Sie bei keiner Bank ohne entsprechende Sicherheiten bekommen. Deshalb wählen Sie einen anderen Weg und suchen sich jemand, der Ihnen privat zunächst für nur etwa eine Woche eine runde Million leiht.

Sie meinen natürlich mit Recht, daß auch jemand, der in der Lage wäre Ihnen dieses Geld zu leihen, nicht auf Ihre schönen blauen Augen hin Ihnen eine solche Summe anvertrauen würde. Deshalb benötigen Sie einen Köder und dieser Köder besteht darin, daß Sie dem Geldgeber für die 7 Tage, die Sie das Geld benötigen, € 25.000,- Zinsen bieten. Das läßt ihn aufhorchen, denn gerade ein cleverer Millionär macht gerne gute und schnelle Geschäfte, Außerdem versprechen Sie ihm, daß sein Geld hundertprozentig durch eine europäische Großbank abgesichert ist.

Bevor Sie sich jedoch auf die Suche nach einem geeigneten Geldgeber machen, sollten Sie weiterlesen wie der Plan funktioniert. Sobald Sie die Million für die vereinbarte Zeit zur Verfügung haben, legen Sie den Betrag bei einer sicheren Bank in Luxemburg oder Dänemark als Festgeld für 5 Jahre an. Nach Ablauf dieser Zeit dürften Ihnen an die 150.000,-. € - oder mehr - Zinsen zustehen. Lassen Sie sich diesen Ihren Anspruch von dem Einlegerinstitut durch eine schriftliche Bankobligation bestätigen. Aus diesem Schriftstück muß verbindlich hervorgehen, daß Sie nach Ablauf der Fünfjahresfrist € 650.000,- (oder mehr) zu erwarten haben.

Der nächste Schritt führt zu einer Bank Ihres Vertrauens in Deutschland, bei der Sie die Bankobligation (Depositenschein) vorlegen und eine Bürgschaft in Höhe der ausgewiesenen Summe beantragen. Die Laufzeit dieser Bürgschaft muß ebenfalls 5 Jahre betragen und mit der Laufzeit der Festgeldanlage übereinstimmen.

Was jetzt folgt, ist für das Gelingen des Plans genauso entscheidend, wie das Finden eines solventen Geldgebers für die Million: Sie müssen ein geeignetes Bankunternehmen in der Schweiz finden, das Ihnen für die inzwischen erhaltene Bankbürgschaft einen Kredit in Höhe dieses Betrages gewährt (und das zu möglichst niedrigen Zinskonditionen). Das bedeutet, dass man Ihnen 650.000,- € als Darlehen überweist, die Sie für die nächsten 5 Jahre zur

Verfügung haben. Dabei dürfen Sie natürlich nicht vergessen, daß die Schweizer Bank für das Bürgschafts-Darlehen auch Zinsen verlangt. Lassen Sie sich diesen Betrag ausrechnen und vereinbaren Sie einen günstigen Zahlungsmodus für die Zinsen ohne Tilgung (entweder halbjährlich oder jährlich).

Sobald Sie im Besitz der 650.000,- € sind, geben Sie Ihrem privaten Finanzier seine Million + € 25.000,- Zinsen zurück und deponieren den Rest (€ 125.000,-) auf Ihrem deutschen Bankkonto. Mit diesem Geld können Sie langfristig arbeiten und - bei sorgfältiger und gewinn- bringender Anlage - sowohl die Bankzinsen in der Schweiz bezahlen, als auch entsprechende weitere Gewinne erzielen.

Wenn nun die in Luxemburg oder Dänemark deponierte Million + Zinsen nach Ablauf der 5 Jahre an Sie ausgezahlt wird, begleichen Sie den ebenfalls fällig werdenden Kredit in der Schweiz. Damit hat sich der Kreis dann geschlossen. Sofern Sie keine Fehler machten, müßten Sie in der Tat ein enormes Darlehen in Höhe von 125.000,- € erhalten haben, für das - bei genauer Abstimmung - praktisch keine Zinsen zu zahlen sind und für das Sie keine Sicherheiten b r a u c h t e n .

Bei der Analyse des auf den ersten Blick faszinierenden Kreditplans ergeben sich einige Punkte, die sorgfältig und realistisch überdacht werden müssen:

Der private Geldgeber Millionäre, die ihr Geld in riskante Geschäfte stecken, gibt es nicht wie "Sand am Meer". Zwar meint der Tippgeber, daß man zuerst in seiner Familie und Verwandtschaft suchen soll, aber wer kann sich schon mit so reichen Mitmenschen brüsten. Bleibt also der Weg der Suche über Zeitungsinserate bzw. Direktwerbung. Setzen Sie also ein entsprechendes Inserat in eine überregionale Zeitung, die von vielen reichen Leuten gelesen wird. Gedacht ist dabei an die "Frankfurter Allgemeine", "Handelsblatt", "Capital" oder gar ein Börsenblatt. Vorgeschlagen werden Werbetexte wie:

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Auf solche oder ähnliche Anzeigen sollen Millionäre wie Mücken fliegen! Mag sein, andererseits besteht jedoch die Gefahr, daß mehrere Tip- Verwerter auf den gleichen Gedanken kommen und sich die gesuchten Geldgeber fragen, was wohl hinter dieser Offerte stehen mag. Es dürfte ihnen dann nicht allzu schwer fallen, sich den Trick selbst zu besorgen (wenn sie ihn noch nicht kennen), um das Big Business allein zu machen. Doch setzen wir einmal voraus, dass interessierte Personen an Sie herantreten und mitmachen wollen, dann sind für Sie ganz enorme Vorbereitungen nötig. Einmal können Sie kaum in einem gebrauchten VW vorfahren, und selbst müssen Sie auch etwas repräsentativ aussehen.

Alsdann müssen Sie bereits mit den DREI einzuschaltenden Bankinstituten genau abgeklärt haben, was an Zinsen für Festgelder geboten wird, welche Bedingungen die deutsche Bank für die Bürgschaft stellt (die will doch wissen, was Sie plötzlich mit einer Million vorhaben) und ob Sie schließlich ein Darlehen aus der Schweiz zu Konditionen bekommen, die das Geschäft erst ermöglichen. Nur wenn die Festgeldzinsen in Luxemburg oder Dänemark erheblich über den Zinsen liegen, die Sie für das Darlehen aus der Schweiz zu zahlen haben, kann die Sache funktionieren.

Ist das alles schließlich geregelt, brauchen Sie gutes Verhandlungsgeschick, um den Millionär von der Lukrativität Ihres Vorschlags zu überzeugen. Möglicherweise werden Sie in Kauf nehmen müssen, daß er einen Anwalt oder Anlageberater mit hinzuzieht, der Ihr Anerbieten genau durchleuchtet. Überlegen Sie deshalb genau, was Sie sagen, wenn Sie gefragt werden wofür Sie so viel Geld brauchen. Sagen Sie die Wahrheit, wird man Sie als Euro- Spekulanten entlarven und die Hand auf dem Geld behalten oder das Geschäft selber machen. Sagen Sie, daß Sie beispielsweise ein Unternehmen aufbauen wollen oder erweitern möchten, wird man Bilanzen sehen wollen. Bliebe noch der Ausweg, dass Sie eine Zwischenfinanzierung durchführen wollen, um teure Bankkredite zu umgehen oder um kurzfristig Darlehen abzulösen, aber jeder gute Geschäftsmann wird hierüber Unterlagen sehen wollen. Am besten wäre es dann wohl noch, möglichst gar nichts über Sinn und Zweck der Aktion zu verraten und lediglich auf die Bürgschaft zu verweisen, die Ihnen die Bank zu geben bereit ist. Wenn Sie das schriftlich haben, sollte es gehen. Dennoch wird jeder normale Finanzier, wenn er seine Millionen nicht gerade im Lotto gewonnen hat, ein gewisses Mißtrauen nicht ganz unterdrücken können. Ein schriftlicher Vertrag - eventuell unter Mitwirkung eines Notars - wird deshalb unumgänglich sein. Lassen Sie sich davon nicht überraschen und konsultieren Sie vor Kontaktaufnahme mit dem ins Auge gefaßten Geldgeber einen Anwalt, der Ihnen Tipps für das Schriftwerk gibt.


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